GloriaFuria und die schlimme Marie

GloriaFuria und die schlimme MarieRoman für Kinder

Ab 8 Jahren

Mit Vignetten von Anna-Lea Guarisco
2003, Nagel & Kimche, Zürich
208 Seiten, Hardcover, Pappband
13,90 Euro (D) / 14,30 Euro (A) / 25,50 SFR
ISBN 3-312-00934-0

 

Kurzbeschreibung:

Eines Abends hat Marie mal wieder einen fürchterlichen Wutausbruch. Zur Strafe wird sie in ihr Zimmer gesperrt. Da beschließt sie, durchs Fenster zu entwischen. Vorher schreibt sie voller Groll einen Brief an ‚Frau Wut', hätte sich aber nicht träumen lassen, dass es sie tatsächlich gibt: die Fee GloriaFuria, die plötzlich auftaucht und Marie unter ihren siebenunddreißig Röcken mit auf ihr Schloss nimmt. Dort soll Marie lernen, Wut in Mut zu verwandeln. Eine nicht ungefährliche Aufgabe, denn draußen lauern der schreckliche Blitzfritz und sein Flammenkalb und wollen unbedingt ins Schloss hinein ...

Anfang des 1. Kapitels aus „GloriaFuria und die schlimme Marie“

„Wenn Marie wütend wird, kann sie nichts dagegen tun. Es geschieht einfach. Zuerst ist die Wut nur ein glühender Punkt in ihrem Bauch. Dann breitet sie sich aus, steigt den Hals hinauf und bildet einen Kloß in der Kehle, an dem Marie fast erstickt. Ein Schleier legt sich über ihre Augen. Und plötzlich wollen Wörter aus ihr hinaus, die sie sonst nie gebraucht. Sie schimpft und schreit, sie tobt und schluchzt. Wenn die Wut vorbei ist, schämt sie sich über sich selbst und verspricht, sie werde von jetzt an brav sein und sich beherrschen. Aber alle Vorsätze nützen nichts. Es braucht nämlich nicht viel, damit Marie wütend wird. Am wenigsten erträgt sie es, ungerecht behandelt zu werden. Und das geschieht häufig. Zum Beispiel, wenn ihre beiden Freundinnen, Karin und Rebekka, im Sommer abends bis halb zehn draußen spielen dürfen und Marie schon um neun daheim sein muss. Auch in der Schule ist vieles ungerecht. Zum Beispiel, dass die Jungen eine Turnstunde mehr haben als die Mädchen. Oder dass Herr Signer, ihr Lehrer, in Karins Diktaten dauernd Fehler übersieht und nie in denen von Marie.
Am wütendsten wird Marie aber wegen Robert. Das ist ihr kleiner Bruder, und er sieht mit seinen Pausbacken ganz unschuldig aus. Dabei ist er eine richtige Nervensäge. Er stört sie überall, wo er kann. Er schleicht ihr dauernd nach und will, dass sie mit ihm spielt. Und kaum wehrt sie sich nur ein bisschen gegen Robert, heult er los wie eine Sirene. Und dann eilt ihm sofort die Mutter zu Hilfe.
"Dass du dich nicht schämst!", schimpft sie mit Marie. "Er ist ja viel schwächer als du!" Die Mutter nimmt Robert in die Arme, tröstet ihn und wischt ihm die Tränen ab. Hinter ihrem Rücken streckt er Marie die Zunge heraus und schneidet dumme Grimassen. Und sowieso streitet er alles ab, was er ihr zu Leide getan hat. Marie kann hundertmal beteuern, sie sage die Wahrheit, ihr glaubt man trotzdem nicht. Ist das nicht schrecklich ungerecht? Einmal ist sie schon auf Roberts Legokasten herumgetrampelt. Ein anderes Mal hat sie seine doofe Mütze zerrissen. Ein bisschen an seinen Haaren gerissen hat sie auch schon. Aber nur, weil er sie vorher gekratzt und angespuckt hat.
Heute ist Marie besonders wütend. Die Sommerferien stehen bevor, und sie will unbedingt mit ins Zeltlager am
See. Fast alle aus ihrer Klasse fahren hin, auch Karin und Rebekka. Sogar Simon, mit dem sie letzte Woche Zettelchen getauscht hat. Sie werden eine Baumhütte bauen und Schwäne beobachten. Sie werden einen Bach stauen und abends lange ums Lagerfeuer sitzen. Klar, dass Marie dabei sein muss. Das versteht doch jeder. Nur leider die Eltern nicht. Ausgerechnet dieses Jahr haben sie Familienferien auf Elba gebucht, und da gibt es keine Extrawurst für Marie.
"Ich habe das Jahr über so wenig Zeit für euch", sagt der Vater zu ihr. "Gönn mir's doch, dass wir alle vier zusammen sind. Du gehörst auch zur Familie."
Und die Mutter sagt: "Papa hat Recht. Es kann doch nicht so schwer sein, auf dieses Sommerlager zu verzichten."
Sie begreifen gar nichts, die Eltern. Vielleicht wird Marie nach den Ferien aus dem, worüber die anderen reden, gar nicht mehr richtig schlau. Vielleicht hat sie dann so viel versäumt, dass Simon nichts mehr von ihr wissen will. Schon zweimal hatte Marie einen Wutanfall wegen des Sommerlagers. Am Nein der Eltern hat sich nichts geändert. Einen Dickschädel habe Marie, sagen sie. Dabei geht es doch darum, gerecht behandelt zu werden. Und wenn fast alle mitfahren dürfen und Marie nicht, ist das ungerecht, oder etwa nicht?“

 

 

Rezension einer Leserin (cmkmiranda aus Wettingen, Aargau Schweiz)

Feuerwerk für Kinder
„Rein zufällig war ich letzte Woche bei der Buchtaufe von „GloriaFuria und die schlimme Marie" dabei, weshalb ich mir das Buch auch kaufte.
Die Geschichte handelt von Marie, die in ihrem Alltag immer wieder Wutausbrüche erlebt. So will sie zu Beginn des Buches unbedingt ins Sommerlager, darf nicht und ist sehr wütend. Darauf schreibt sie einen Brief an Frau Wut und so lernt sie auf spezielle Weise GloriaFuria und ihr Reich kennen.
Für Kinder, die Abenteuergeschichten lieben, ist dieses Buch wohl genau das Richtige. Es ist aber zu sagen, dass zum Teil ziemlich schreckliche Szenen vorkommen, weshalb ich die Lektüre nicht für den Abend empfehlen würde.
In meiner eigenen Kindheit las ich von Lukas Hartmann „Anna annA", was mir supergut gefiel. Jetzt bin ich zwar aus dem Alter eigentlich heraus, habe das Buch aber trotzdem in einem Zug verschlungen.
Was ich auch noch erwähnen möchte: Hartmann widmet das Buch Kindern, die ihm beim Schreiben geholfen haben. Er hat so Ideen der Kinder ins Buch gepackt, was wohl die Geschichte selber den Kindern noch näher bringt ...

Fünf Sterne, fünf positive Punkte:
Spannende Geschichte, supersüsses Nilpferd, sehr fantasievoll, interessante Figuren UND ein äussert sympathischer, kinderliebender Schriftsteller!“

Pressestimmen:

„Mit Tempo und Witz erzählt und auch sehr gut zum Vorlesen geeignet.“ WDR

„Dass ein Buch über die Wut mit so wenig Moral auskommt, ist eine angenehme Überraschung. Unaufdringlich und trickreich hat Hartmann in seine Geschichte rund um Gloria Furia und ihr verwunschenes Schloss eine Menge kluge Hinweise über das Wesen der Gefühle verpackt: dass Gut und Böse oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.“ Literaturen

„Wilden Kindern hat man vor Jahrzehnten noch die Geschichte vom Zappelphilipp vorgelesen. Mit Hartmanns Buch könnten Sie etwas über sich selbst lernen, ohne dabei moralisch unter Druck gesetzt zu werden. Denn dieser Autor gesteht dem Kind zu, dass es nur dann so wütend wird, wenn es sich ungerecht behandelt fühlt.“ Berliner Zeitung

„Ein vor Ideenreichtum sprühendes Buch, das, einer Perlenkette gleich, fantastische Episoden und furiose Einfälle aneinander reiht.“ Berner Zeitung

„Kein Zweifel, Lukas Hartmann kennt die Bedürfnisse seiner jungen Leser und ihrer Eltern. Er weiss, was sie thematisch interessiert und was man ihnen erzählerisch zumuten kann. Auf jeder Seite wird Spannung aufgebaut, ein Einfall jagt den nächsten.“ Der Bund

„GloriaFuria und die schlimme Marie’ ist wunderbar zu lesen, manchmal witzig, manchmal gruselig. Auf jeden Fall sehr schön erzählt.“ Die Märkische

„Die psychologische Sinnebene bleibt immer spürbar, aber unaufdringlich – Fantasie ist die beste Therapie!“ Eselsohr